12|22 Forschung & Lehre N A C H R I C H T E N 925 Täglich aktuelle Nachrichten auf www.forschung-und-lehre.de K O M M E N TA R Es fließt Wissenschaftsorganisationen und Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren einmütig in ihrer Kritik und klaren Ablehnung der angedrohten dramatischen Kürzungen der Wissenschaftsetats durch das BMBF und das Auswärtige Amt. Nun gibt es für den DAAD und die AvH sogar mehr als im Haushaltsentwurf ursprünglich vorgesehen. Einmütig ist nun ihr Lob und die Freude über diese Rückkehr der wissenschaftspolitischen Vernunft. Das gilt auch für den Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), die ein Milliardenpaket für Forschung und Lehre verabschiedet hat, einschließlich teilweiser Dynamisierung. Zu Recht werten die Präsidentinnen von Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft dies als „klare Signale für die Wissenschaft“ und „weitere Stärkung der Spitzenforschung an Universitäten“. In der Tat muss man diese Kursänderung zugunsten von Wissenschaft und Forschung in Zeiten der multiplen Krisen hochschätzen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass dies angesichts von über zehn Prozent Inflation und den großen Erwartungen an die Wissenschaft, zur Lösung vielfältiger Zukunftsprobleme beizutragen, nicht reichen wird. In den kommenden Jahren muss weiter zugelegt werden. Hoffentlich wird die Wissenschaft auch dann wieder Gehör finden. Felix Grigat GemeinsameWissenschaftskonferenz beschließt Milliardenpaket Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) der Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern hat „ein Milliardenpaket“ für Forschung und Lehre in Deutschland beschlossen. Das sagte der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, stellvertretender Vorsitzender der GWK gegenüber der Presse. Die GWK-Vorsitzende, Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, präsentierte die Entscheidungen, auf die sich die Ministerinnen und Minister geeinigt haben: Demnach solle der Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“ dynamisiert werden. Jährlich sollen die Mittel steigen, so dass Bund und Länder jeweils bis 2027 338 Millionen Euro mehr aufbringen, um das Ziel eines jährlichen Zuwachses von drei Prozent mehr Geld für die Hochschulen zu realisieren, das im Koalitionsvertrag der Ampelregierung vorgesehen war. 2023 sollen erstmals drei Prozent mehr investiert werden, 2024 sogar 5,87 Prozent, 2025 dann ausgleichend nur 1,5 Prozent und ab 2026 jährlich drei Prozent. In den Jahren 2023 bis 2027 sollen die Hochschulen so rund 20,8 Milliarden Euro erhalten. Der Bund werde die Hochschulen zudem mit rund zwei Milliarden Euro angesichts der gestiegenen Energiekosten unterstützen. Weiter werde die Exzellenzstrategie ausgeweitet: Statt 57 soll es ab dem Jahr 2026 70 Exzellenzcluster geben. Dafür hätten sich Bund und Länder geeinigt, 154 Millionen Euro pro Jahr mehr zu investieren (statt der aktuellen 533 Millionen zukünftig 687 Millionen Euro). So sollen bis zu 15 Exzellenzuniversitäten gefördert werden können. Diese Entscheidungen begrüßten die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professorin Katja Becker, und die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professorin Dorothea Wagner, in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Ausweitung und Mittelsteigerung seien klare Signale für die Wissenschaft und die weitere Stärkung der Spitzenforschung an Universitäten in Deutschland. Darüber hinaus, so StarkWatzinger, sei die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in der zweiten Phase, der Aufbauphase, angekommen. Die GWK habe sich verständigt, acht weitere Konsortien, darunter sieben Fachkonsortien und ein Fachdienstkonsortium, aufzunehmen. Das Professorinnenprogramm des Bunds und der Länder werde ebenfalls fortgeführt. Es diene dazu, die Zahl der Professorinnen zu erhöhen und andererseits die Gleichstellung an den Hochschulen zu verbessern. Nach wie vor würden viele Frauen nach der Promotion die Hochschulen verlassen und fehlten auf den wissenschaftlichen Führungspositionen, so Stark-Watzinger. Für das Programm stellten Bund und Länder bis 2030 320 Millionen Euro zur Verfügung. In der vierten Phase des Programms sollten auch kleinere und bisher nicht beteiligte Hochschulen gefördert werden. HRK bemängelt Karrierechancen von Frauen Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat eine Resolution zu den Chancen von Frauen auf akademischen Karrierewegen veröffentlicht, in der sie die bestehenden Auswahl-Verfahren kritisiert. Anlass der Resolution waren Daten der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) zu Frauen in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die zeigen, dass die Chancengleichheit immer noch in weiter Ferne sei. Die HRK nimmt in ihrer Resolution „mit großer Sorge“ zur Kenntnis, dass die Fortschritte „trotz zahlreicher Maßnahmen viel zu gering sind“. Das Kaskadenmodell, das Zielquoten für die unterschiedlichen Karriereebenen etablieren soll, sowie Mentoring- und Coaching-Angebote veränderten die Situation offensichtlich nicht grundlegend. Es müsse einen „Kulturwandel“ geben, folgert die HRK. Bisher würden bei der Auswahl und Bewertung von Kandidatinnen und Kandidaten für offene Stellen in der Wissenschaft weiterhin Stereotype eine Rolle spielen, oft würden geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu stark in bestehenden Netzwerken gesucht, von denen Frauen vielfach ausgeschlossen seien. Recruiting müsse an den Hochschulen „systematisch gleichstellungsorientiert" stattfinden, was bislang nur an wenigen Hochschulen so geschehe. „Mittel- oder langfristig“ solle „jede zweite Professur mit einer Frau“ besetzt werden. Die Hochschulen wollen, wie die HRK mitteilt, die notwendigen Schritte dafür gehen.
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