Forschung & Lehre 12/2022

12|22 Forschung & Lehre Z I E L E 937 Wie forsche ich? Der Anfrage, zum Thema Ziele in „Forschung Lehre“ etwas beizutragen, habe ich nur widerwillig zugestimmt. Es ist eine Aussage für sich, dass sich dieser innere Widerstand zunächst in einer beschränkten Definition des Themas begründete. Ziel der Umfrage ist es jedoch hoffentlich nicht, normative und rein formelle Zielsetzungen, etwa das Erreichen einer Professur, unhinterfragt zu bestärken. Im einstigen Glauben, man müsse nur alles richtig machen, sowie als Empfängerin von BAföG und Stiftungsstipendien und der damit einhergehenden Rechenschaftspflicht, schloss ich Studium und Promotion zielstrebig ab. Im Flaschenhals angekommen, wurde vielen der #IchBinHanna- und #IchBinReyhan-Generation jedoch klar, dass harte Kriterien nur teilweise entscheidend für akademische Karrieren sind. Zu wenig erforscht sind nach wie vor soziale Faktoren (im Englischen häufig zusammengefasst als class, gender, race), die über Karrieren in einem System bestimmen, welches ohnehin nicht für eine zuverlässige Zukunftsplanung gebaut ist. Ziele lassen sich also eigentlich nur intrinsisch, also von den eigenen Idealen geleitet, setzen. Für mich steht in meiner Forschung, die um Kooperationen im Globalen Süden kreist, vermehrt im Vordergrund, auch zu fragen, wie ich forsche. Im 19. Jahrhundert erschlossen sich Ethnologen, Naturforscher und Archäologen die Welt und machten sie sich zu eigen. Als Global- und Kolonialhistorikerin analysiere ich trotz aller Veränderung auch historische Kontinuitäten von Methoden und Strukturen im westlichen Forschungsdiskurs. Was passiert z.B. mit dem Rohmaterial von Interviews, die ich führe? Können diese nicht nur extrahiert, sondern in lokalen Kontexten nutzbar gemacht werden? Wer wird meine Ergebnisse lesen können? Wer profitiert auch in Europa längerfristig von den Debatten um die Repatriierung von Museumsobjekten? Von Publikationsformaten, über die Umverteilung von Forschungsgeldern, Diskussionen über die Notwendigkeit von Flugreisen im Klimawandel, bis hin zu Visaregularien und der Diversifizierung der Forschungseinrichtungen: Ziel müsste es auch in der Akademie sein, zu einer nachhaltigen, faireren Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden beizutragen. Doch wie sollen diese Ziele innerhalb eines Hochschulsystems gelingen, welches nicht auf Nachhaltigkeit, sondern auf Austauschbarkeit setzt? ! Dr. Mirjam Brusius ist Research Fellow in Colonial and Global History am Deutschen Historischen Institut Londo, Dan-David-Preis 2022. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung verleiht im Jahr 2023 zum 43. Mal den Alfried Krupp-Förderpreis Der Preis ist mit 1 Mio. €dotiert. Das Förderangebot richtet sich an junge Natur- und Ingenieurwissenschaftler*innen (inkl. Medizin), deren Befähigung zu Forschung und Lehre durch die Erstberufung auf eine zeitlich unbefristete oder befristete Professur (W2- oder W3-Professur) an einer Universität in Deutschland bestätigt worden ist. Sie sollten nicht älter als 38 Jahre sein. Der Alfried Krupp-Förderpreis möchte Freiräume schaffen: Ziel ist es, Forscherpersönlichkeiten in einer noch frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Laufbahn dabei zu unterstützen, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Vorschläge werden bis spätestens Freitag, 3. März 2023 in elektronischer Form erbeten. Dafür steht das Online-Bewerbungsportal unter www.antrag.krupp-stiftung.de zur Verfügung. Kandidat*innen können von Einzelpersonen, Forschungsinstitutionen und Universitäten vorgeschlagen werden. Selbstbewerbungen sind ausgeschlossen. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Hügel 15, 45133 Essen Telefon: +49 (0)201 188-4807, E-Mail: akf@krupp-stiftung.de Bewerbungsportal: www.antrag.krupp-stiftung.de Weitere Informationen: www.krupp-stiftung.de/alfried-krupp-foerderpreis Anzeige

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