Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Im Fokus der aktuellen Forschung steht zu untersuchen, warum bei manchen Patientinnen und Patienten der Krebs durch die Immuncheckpointblockade dauerhaft kontrolliert werden kann, um ein andauerndes Ansprechen möglichst in allen Erkrankten zu erreichen. Aufgrund des therapeutischen Potenzials von Immuntherapien wird eine Vielzahl zusätzlicher Therapiestrategien erforscht, was zu einer Wissensexplosion in diesem Bereich führt. Eine wichtige Neuentwicklung sind hier genetisch veränderte TZellen, die bestimmte Oberflächenmoleküle von Tumorzellen erkennen können (CAR-T-Zellen). Hierzu werden patienteneigene T-Zellen entnommen, im Labor vermehrt, genetisch modifiziert und den Patientinnen und Patienten zurück infundiert, was mehrere Wochen dauert. Dieser Ansatz ist besonders bei bestimmten Leukämien und Lymphomen erfolgreich und wurde in die Routineanwendung überführt. Auch hier kommt es zu Heilungen; Emily Whitehead, das erste Kind, das weltweit mit einer CAR-T-Zelltherapie behandelt wurde, ist seit zehn Jahren krebsfrei. Aktuelle Weiterentwicklungen der Forschung dienen dazu, Resistenzmechanismen zu entschlüsseln und CART-Zellpräparate zu erzeugen, die nicht patientenindividuell hergestellt werden müssen, sondern „Off-the-shelf“ verfügbar sind. Das würde verhindern, dass Patientinnen und Patienten während der Wartezeit auf das Produkt versterben, und es erleichtern, ggf. erneute Therapien zu erhalten. Zusätzlich beschränkt sich der Erfolg der CAR-TZellen weitestgehend auf hämatologische Krebserkrankungen insbesondere der B-Zellreihe, was zum einen an spezifisch angehbaren Zielstrukturen wie CD19 oder BCMA liegt und andererseits durch die inhärente physikalische Barriere solider Tumore im Unterschied zu sich einzeln im Blut befindlichen Leukämiezellen begründet ist. Aktuell gibt es große Forschungsanstrengungen, die CAR-T-Zelltherapie auch in soliden Tumorerkrankungen anwendbar zu machen. Beispielsweise werden Ansätze untersucht, das Tumorgewebe durch „gewebeauflockernde“ Enzyme lokal zugänglicher für die T-Zellen zu machen. Stetige Fortschritte in der Krebstherapie Ein weiterer Forschungsbereich mit dem Potenzial, die Eindämmung von Krebserkrankungen zu erhöhen, ist die genaue Charakterisierung von Tumoren auf Genom-, Transkriptom- und Proteomebene. Durch die rasante Weiterentwicklung von Sequenziermethoden nach Beginn des weltweiten „Human Cancer Genome Project“ 2005 ist es aktuell möglich, detaillierte Informationen über den jeweiligen Tumor einer Patientin oder eines Patienten zu erheben – im Forschungskontext ist dies bereits in jeder einzelnen Zelle eines Tumors möglich, in der klinischen Routine werden therapeutisch angehbare Veränderungen mittels DNA- und RNAPaneluntersuchungen diagnostiziert. Aufgrund des raschen Erkenntnisgewinns wurden in den letzten Jahren mehr als 80 zielgerichtete Medikamente zugelassen, was zur Entwicklung der sog. Präzisionsonkologie geführt hat. Hier ist das Ziel, die Patientinnen und Patienten mit maßgeschneiderten Therapien passend zu spezifischen Veränderungen in ihren Tumoren zu behandeln. In diesem Bereich werden teilweise die Organgrenzen überschritten sowie pädiatrische und adulte Patientinnen und Patienten behandelt. Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist die Hemmung des Proteins NTRK – hier wer - den hohe und langanhaltende Ansprechraten von ca. 70 Prozent in vorbehandelten erwachsenen und kindlichen Patientinnen und Patienten erzielt. Diese zielgerichteten Therapiestrategien haben auch das Potenzial, Patientinnen und Patienten zu heilen, beispielsweise bei der Chronischen Myeloischen Leu - kämie. Aktuell ist es allerdings so, dass bei der überwiegenden Anzahl der Patientinnen und Patienten, die mit personalisierten Therapien behandelt wird, die Progression des Tumors teilweise sehr langfristig verzögert wird, aber es nicht zu einer Heilung kommt. Nichtsdestotrotz sind die zielgerichteten Therapien häufig ein Quantensprung für Betroffene, da sie in der Regel besser verträglich als Chemotherapien und in jedem Fall eine lebensverlängernde Therapiemöglichkeit sind. Hier liegt die Herausforderung der Forschung darin, diese krankheitschronifizierenden Therapien in heilende Therapien umzuwandeln, beispielsweise durch Kombination mit Immuntherapien. Insgesamt ist das Forschungsziel, alle Krebserkrankungen zu heilen, noch lange nicht erreicht, aber durch Fortschritte in Prävention, Früherkennung, Immuntherapien und zielgerichteten Ansätzen kommen wir ihm schrittweise näher. 940 Z I E L E Forschung & Lehre 12|22 »Hier ist das Ziel, die Patientinnen und Patienten mit maßgeschneiderten Therapien zu behandeln.« Foto: mauritius images
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