Forschung & Lehre 12/2022

12|22 Forschung & Lehre F U S S B A L L - W E L T M E I S T E R S C H A F T 947 rechte wie Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit so wenig gelten wie Frauenrechte oder Rechte von Minderheiten. Und als im Laufe der Jahre die WM physisch Form annahm, war die Ausbeutung von Bauarbeitern unübersehbar, die unter teilweise sklavenartigen Arbeitsbedingungen nicht zuletzt die WM-Stadien bauten. Initiativen für einen WM-Boykott Die Diskussionen über all das kamen spät in Gang, vor allem in Westeuropa aber mit so großer Wucht, dass kaum noch ein Sponsor im Zusammenhang mit dem Turnier erscheinen wollte. In Deutschland und einigen anderen westeuropäischen Ländern arbeiteten Fans mit großem Engagement für einen WM-Boykott. Dass einem relevanten Teil des Publikums das Interesse verleidet war, zeigte das Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador. Es hatte hierzulande 40 Prozent weniger TVZuseher als das WM-Eröffnungsspiel vier Jahre zuvor. Derweil wird ein Konflikt zwischen dem Deutschen FußballBund (DFB) und der FIFA immer offener ausgetragen. Der DFB fordert zusammen mit anderen europäischen Fußballverbänden einen Fonds, um Verletzte bei Arbeitsunfällen auf WMBaustellen und Hinterbliebene von toten Arbeitern zu unterstützen. Die FIFA vermeidet Zusagen und untersagte den Kapitänen von einigen europäischen WM-Teilnehmern das Tragen einer speziellen Armbinde. Anstatt der in den Regenbogenfarben der LGBQTIBewegung sollte diese unter dem Slogan „One Love“ etwas unspezifisch gegen Diskriminierung und für Inklusion werben. Doch selbst das ging der FIFA als politisches Statement zu weit. Sie wollte es sich mit den katarischen Gastgebern nicht verderben. FIFA-Präsident Gianni Infantino gab zudem am Tag vor der Eröffnung eine Pressekonferenz, in der er die Kritiker an der Katar-WM als „Heuchler“ kritisierte. Das wiederum konterte Amnesty International so: „Indem Gianni Infantino berechtigte Kritik an der Menschenrechtslage beiseite schiebt, weist er den enormen Preis zurück, den Arbeitsmigranten zahlen mussten, um sein Flaggschiff-Turnier zu ermöglichen – sowie die Verantwortung der FIFA dafür.“ Verspielte Akzeptanz Noch bevor sie richtig begonnen hat, ist diese Weltmeisterschaft das am meisten politisierte Turnier der Fußballgeschichte. Das ewige Bemühen der FIFA, Fußball als unpolitisch darzustellen, ist endgültig gescheitert. Die britischen Erfinder des modernen Sports hatten das Prinzip no politics zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgegeben, damit weltanschauliche Unterschiede den sportlichen Wettkampf nicht überschatteten. Für die Historikerin Christiane Eisenberg zeigt sich darin das Paradox, „dass die Akzeptanz der Denkfigur des ‚unpolitischen Sports‘ die Voraussetzung seiner Verwirklichung war. Nur wenn der ‚unpolitische‘ Charakter der Sache als real unterstellt wurde, konnte sie gegen die fortbestehenden Gegensätze der Nationen, Ideologien und Interessen aller Art behauptet werden.“ Diese Akzeptanz ist dahin, und inzwischen steht die Frage im Raum, ob solche Weltmeisterschaften unter Führung eines Verbandes wie der FIFA überhaupt noch eine Zukunft haben. Vom Autor ist gerade das Buch erschienen: Um jeden Preis. Die wahre Geschichte des modernen Fußballs von 1992 bis heute. Kiepenheuer & Witsch, 250 Seiten, 18,00 Euro. »Noch bevor sie richtig begonnen hat, ist diese Weltmeisterschaft das am meisten politisierte Turnier der Fußballgeschichte.« Berufsbegleitend und praxisnah Lehrende aus Wissenschaft und Praxis verknüpfen Managementwissen über Personalführung, Controlling und Kommunikation mit neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaftsforschung. Großes Netzwerk im Wissenschaftssektor Die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und das Zentrum für Wissenschaftsmanagement e.V. (ZWM) bieten langjährige Erfahrung in der Weiterbildung von Führungskräften. Abschluss: M.P.A. + berufsbegleitendes Masterstudium + 90 ECTS + kompakte Präsenzphasen + Dauer: 4 Semester + Kosten: 8.965 € Bewerbung + jeweils zum 2. Januar + Alle Bewerbungsunterlagen online www.wissenschaftsmanagement-speyer.de Wissenschaftliche Einrichtungen erfolgreich managen Anzeige

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