Forschung & Lehre 12/2022

12|22 Forschung & Lehre B U C H E M P F E H L U N G E N 959 „Einfach zu einfach“ ist der sehr lesenswerte Versuch eines renommierten Umweltökonomen, den Frust über in umweltökonomischen Fragen dilettierende Nicht-Fachleute produktiv zu wenden. Unterfüttert mit verhaltensökonomischen und psychologischen Forschungsresultaten zeigt Weimann, warum schlechte Narrative (akademische Folklore) und sehr schlechte Narrative (blanker Unsinn) im politischen IdeenWettbewerb gegenüber den guten (wissenschaftskompatiblen) Narrativen in einer immer komplexeren Welt systematisch im Vorteil sind. Zwei Lösungsansätze laden zur Diskussion ein. Joachim Weimann: Einfach zu einfach. Wie die leichten Lösungen unsere Demokratie bedrohen, Springer 2022. BirgittaWolff ist Wirtschaftswissenschaftlerin und Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal. Foto: privat Foto: Michael Mutzberg Andrzej Bart, vielfach ausgezeichneter polnischer Literat, führt uns in dieser packenden Kriminalkomödie voll schwarzen Humors, die verfilmt als „Rewers“ Polens Beitrag für den Oskar 2009 war, in das Warschau der 1950er Jahre. Im Grunde geht es um eine Dollarmünze, welche die Protagonistin Sabina einem Dekret folgend herausgeben müsste, in Erinnerung an ihren Großvater aber sicher versteckt. Die ledige Lektorin lebt mit ihrer regimetreuen Mutter, ihrem opportunistischen Bruder Arkadiusz sowie ihrer Großmutter, dem Familienoberhaupt, in bescheidenen Verhältnissen. Als ihr ein Verehrer näherkommt und von ihrem Versteck erfährt, handelt die Protagonistin und setzt sich gegen diesen Agenten – und damit gegen die Repression des kommunistischen Polens – zur Wehr. Andrzej Bart: Knochenpalast. Aus dem Polnischen von Albrecht Lempp. Schöffling 2014. Florian Steger ist Direktor des Instituts für Geschichte,Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm. Ähm, also ... wie fängt man da an. Kerstin Preiwuß – Schriftstellerin und promovierte Linguistin – hat eine Liebeserklärung an die Sprache geschrieben. Ihren Blick richtet sie gerade auf die wenig beachteten ‚kleinen Wörter‘ – Präpositionen, Partikeln, Pronomen,... – und auf die Interpunktionszeichen. Mit Anekdoten und literarischen Werken denkt sie darüber nach, welches Sinnpotenzial ein eigentlich, Auslassungspunkte, ein ähmhaben können. Anders als Sprach- und Stilratgeber, die solche Ausdrucksmöglichkeiten schnell als generell überflüssig deklassieren, unterstreicht dieses Büchlein also gerade ihre Existenzberechtigung. Kerstin Preiwuß: Das Komma und das Und. Eine Liebeserklärung an die Sprache. Mit Illustrationen von Pauline Altmann. Dudenverlag 2019. Bettina M. Bock ist Juniorprofessorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur II an der Universität zu Köln. Foto:Thomas Rötting In seinem 1908 erschienenen modernen Klassiker, einem Angestelltenroman avant la lettre, schildert Robert Walser aus der Perspektive des „Gehülfen“ den unaufhaltsamen Abstieg eines Ingenieurbüros. Dessen Inhaber erfindet durchaus funktionsfähige Dinge, die nur leider keiner braucht (wie einen Patronen-Spendeautomaten für Schützenfeste). Bezwingend vor allem die Sprache, die fast jeden Satz zum kulinarischen Ereignis werden lässt. Nur ein Beispiel: „Ja, er hatte schon Geist, wenn er nur wollte; aber er machte zu gern Pausen im Denken.“ (Das kenne ich übrigens.) Robert Walser: Der Gehülfe. Werke, Band 6, Berner Ausgabe, Suhrkamp Verlag 2019. Andreas Jacob ist Professor für Musikwissenschaft an der Folkwang Universität der Künste und seit 2017 deren Rektor. Foto: Franziska Götzen

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