Forschung & Lehre 12/2022

960 F O R S C H U N G Forschung & Lehre 12|22 Täglich aktuelle Nachrichten auf www.forschung-und-lehre.de Ergründet und entdeckt Gender Gap bei Einkommenserwartungen Bereits kurz nach dem Abitur erwarten Frauen, dass sie im Alter von 35 Jahren in einem Vollzeitjob mit Hochschulabschluss ein um 15,7 Prozent niedrigeres monatliches Nettoeinkommen haben werden als Männer. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die auf Daten des Berliner-Studienberechtigten-Panels (Best up) basiert und an der auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beteiligt war. Für Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung voraussetzen, ist der Gender Gap in den Einkommenserwartungen mit 13 Prozent demnach etwas geringer. Laut BiB geht fast die Hälfte der Unterschiede bei den Einkommenserwartungen von Frauen und Männern darauf zurück, dass Frauen aufgrund erwarteter familiärer Verpflichtungen mit weniger Einkommen rechnen. Obwohl sich Männer gleichermaßen ausreichend Zeit für die Familie wünschten, gingen sie im Gegensatz zu Frauen nicht davon aus, dass sie deshalb später Abstriche bei ihrem Erwerbseinkommen machen müssten. Während Frauen im Durchschnitt ein monatliches Nettogehalt von 3 153 Euro mit Hochschulabschluss und Vollzeitjob erwarteten, rechneten Männer mit durchschnittlich 3 740 Euro. Die Einkommensabschläge, die Frauen aufgrund ihrer Präferenz für Zeit mit der Familie erwarteten, sind dem BiB zufolge bei Karrieren mit einem vorausgesetzten Masterabschluss größer als mit einem Bachelorabschluss. Dies deute darauf hin, dass Frauen bereits nach dem Abitur davon ausgingen, eine Vollzeitarbeit eher mit einem geringen Stundenumfang ausüben zu können und damit bestimmte Karrieren für sich von vornherein ausschlössen. Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge sollte in den Schulen rechtzeitig vor dem Abitur darüber informiert werden, wie sich im späteren Arbeitsleben Familien- und Erwerbsarbeit ohne große Einkommensabschläge vereinbaren lassen. Zum anderen müsste die Vereinbarkeit auch noch deutlich verbessert werden. BiB Genetische Einflüsse auf Musikalität Was sagt die Fähigkeit, im Takt klatschen zu können, über die Musikalität eines Menschen insgesamt aus? Dieser Frage ist ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des MPI für empirische Ästhetik (MPIEA) nachgegangen. Insgesamt 5 648 Menschen gaben für die Studie ihre genetischen Daten an, füllten Fragebögen zu musikalischen Themen aus und lösten musikbezogene Aufgaben. Unter anderem wurde gemessen, wie gut sie Rhythmen, Melodien und Tonhöhen unterscheiden konnten. Auf Basis der genetischen Daten berechnete das Wissenschaftlerteam einen sog. „Polygenic Score“ für Rhythmusgefühl (PGSrhythm) – eine Art Indikator für die genetische Veranlagung für Rhythmusgefühl. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass der Rhythmus-Score die musikalischen Fähigkeiten höchstwahrscheinlich direkt beeinflusse. Darüber hinaus gebe es einen Zusammenhang zwischen dem musikalischen Umfeld in der Kindheit der Probanden und dem PGSrhythm, was auf eine Wechselbeziehung zwischen Genen und Umwelt hindeute. Der PGSrhythmkönne nicht nur die allgemeine Musikalität von Menschen vorhersagen, sondern auch die Neigung, Musik zu genießen, etwa beim Tanzen. Der Wert könne somit zukünftig zuverlässig in der Forschung verwendet werden, um die genetischen Grundlagen individueller Unterschiede von Musikalität weiter zu entschlüsseln. Laura Wesseldijk et al.; DOI: 10.1038/s41598-022-18703-w GenetischeVarianten, die dem Rhythmusgefühl zugrunde liegen, stehen auch im Zusammenhang mit anderen Aspekten von Musikalität. (Bild: MPI für empirische Ästhetik)

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