12|22 Forschung & Lehre F O R S C H U N G 961 Täglich aktuelle Nachrichten auf www.forschung-und-lehre.de Vera Müller Videokonferenzen Stundenlange OnlineMeetings am Küchentisch oder Web-Konferenzen im Arbeitszimmer, technische Probleme oder die ständige Konfrontation mit dem eigenen Bild können Menschen ermüden. Zudem fehlt vielen dabei echte soziale Interaktion. Psychologinnen und Psychologen der Universität Ulm sind nun dem Phänomen „Videokonferenz-Müdigkeit“ nachgegangen. Sie werteten für ihre Studie Online-Fragebögen von über 300 Befragten aus. Speziell das Persönlichkeitsmerkmal „Neurotizismus“ wurde dabei als potenziell begünstigender Faktor für Videokonferenz-Müdigkeit berücksichtigt. Demnach könnte vor allem bei Personen mit Tendenzen zu emotionaler Instabilität und negativen Emotionen eine Vielzahl an Videokonferenzen das Risiko für Burnoutund Depressionssymptome erhöhen. Kürzere Videokonferenzen sowie längere Pausen dazwischen könnten ein Schlüssel sein, um das Phänomen einer „VideokonferenzMüdigkeit“ zu vermeiden. Christian Montag et al.; DOI: 10.1016/j.jadr.2022.100409 Zersiedelung weltweit Ein internationales Wissenschaftlerteam hat das Ausmaß und die Entwicklung der Zersiedelung weltweit flächendeckend und vergleichend untersucht. Wie das an der Studie beteiligte Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden mitteilt, hat die Zersiedelung der Landschaft von 1990 bis 2014 weltweit um 95 Prozent zugenommen, im Vergleich der Kontinente stellte das Wissenschaftlerteam in Europa die stärkste Zunahme in diesem Zeitraum fest. Die Zersiedelung steige vor allem in Ballungsräumen weiter, etwa durch die Zunahme weitläufiger, wenig dichter Bebauung in den Außenbezirken von Großstädten. Sichtbar werde der Trend zur Zersiedelung auch in vielen touristisch attraktiven Küstenregionen wie entlang der Französischen Riviera. Bei den Pro-Kopf-Werten der Zersiedelung wiesen Nordamerika, Australien und wiederum Europa die mit Abstand höchsten Werte auf. Nur in wenigen Regionen der Welt lässt sich dem Forscherteam zufolge ein Rückgang der Zersiedelung feststellen. Sie ist demnach in jenen Ländern am höchsten, die auch am höchsten entwickelt sind. Das Forscherteam kommt zu dem Schluss, dass Planungssysteme, Vorschriften und Maßnahmen, wie es sie in Industrieländern seit langem gebe, die Zersiedelung bisher nicht stoppen konnten. Nachhaltigkeit in der Siedlungsentwicklung erfordere eine grundlegende Transformation der bestehenden Planungspraxis. Von Zersiedelung sprechen Fachleute, wenn sich Siedlungen in gestreuter Anordnung in angrenzende Gebiete und damit in der Regel in landwirtschaftlich genutzte oder natürlich geprägte Räume ausdehnen. Martin Behnisch et al., DOI: 10.1371/journal.pstr.0000034 Rekordhöhe: Vulkanwolke vonTonga Der Vulkanausbruch von Tonga Anfang dieses Jahres hat die höchste jemals auf der Erde gemessene Aschewolke erzeugt. Die Eruptionssäule drang mit 57 Kilometern sogar in die dritte Schicht der Erdatmosphäre vor, der Mesosphäre. Diese bereits bestehende Vermutung bestätigten nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oxford. Der Untersee-Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha’pai war Mitte Januar ausgebrochen und hatte eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert. Bis jetzt habe den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Methode gefehlt, um präzise zu messen, wie hoch die Aschewolke war. Die von unterschiedlich positionierten Wettersatelliten aufgenommenen Bilder, durch die die schnellen Änderungen der Flugbahn der Wolke dokumentiert wurden, hätten es nun möglich gemacht, die Höhe der Eruptionssäule mit der Parallaxenmethode zu berechnen. Die bisher höchste Eruptionssäule, die mit Satelliten vermessen wurde, hatte 1991 der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen in die Luft geworfen. Sie hatte eine Höhe von 40 Kilometern erreicht. dpa Vulkanausbruch vonTonga. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com /Tonga Geological Services
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