die für bewundernswert gehalten wurden. Anschließend wurden diese 247 Frauen nach ihrer Hauptbeschäftigung in zwei Gruppen eingeteilt, je nachdem, ob sie sich in einer geschlechtsstereotypen Rolle befanden oder in einer üblicherweise Männern zugeschriebenen Rolle tätig waren. Als weibliches Vorbild in einer männerdominierten Rolle definierten wir Frauen, die z.B. für ihre Tätigkeit als Politikerin, Geschäftsfrau oder Astronautin bewundert wurden. Zu den am häufigsten genannten Vorbildern gehörten hier Politikerinnen wie Madeleine Albright sowie Schriftstellerinnen wie Hellen Keller oder Journalistinnen wie Barbara Walters. Als stereotype weibliche Vorbilder wurden alle Frauen eingestuft, die z.B. aufgrund ihrer familiären Situation bewundert wurden wie Mamie Eisenhower als First Lady, in klassischen Frauenberufen arbeiteten wie Sister Kenny als Krankenschwester oder auch Schauspielerinnen und Sängerinnen wie Grace Kelly. Frauenanteil in Führungspositionen Wir stellten fest, dass die Beliebtheit stereotyper weiblicher Vorbilder im untersuchten Zeitraum stark gesunken ist: Während 80 Prozent der Befragten im Jahr 1951 angaben, Frauen in geschlechtsstereotypen Rollen zu bewundern, fiel diese Zahl auf 30 Prozent im Jahr 2014. Auf der anderen Seite stieg die Bewunderung für weibliche Vorbilder in männerdominierten Rollen im gleichen Zeitraum von unter 20 Prozent auf rund 50 Prozent. Einen Wendepunkt stellten die 1980er Jahre dar, hier wurden Frauen in männerdominierten Rollen erstmalig beliebter als Frauen in geschlechtsstereotypen Rollen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Bewunderung für weibliche Vorbilder in männerdominierten Rollen mit einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen den beiden Geschlechtern in Führungspositionen einhergeht. Frauen, die angaben, weibliche Vorbilder in männerdominierten Rollen zu bewundern, gelangten mit höherer Wahrscheinlichkeit später selbst in eine Führungsposition. Sie entschieden sich ebenso häufiger für die Erlangung eines Hochschulabschlusses, traten in wettbewerbsintensivere Arbeitsmärkte wie z.B. den MINTBereich ein und bekamen ihr erstes Kind später als Frauen, die ein geschlechtsstereotypes weibliches Vorbild benannten. Viele dieser Entscheidungen verletzen konservative gesellschaftliche Geschlechternormen, nach denen Frauen primär die Rolle als Mutter und Hausfrau obliegt. Wie passen also weibliche Vorbilder in männerdominierten Berufen in ein konservatives Umfeld? Kommen sie seltener aus USBundesstaaten, in denen traditionelle Ansichten über Geschlechterrollen stärker ausgeprägt sind? Damit verbunden ist die Frage, inwieweit die Frauen Anstoß des Wandels sind oder nur ein Ergebnis desselben? Mithilfe von Daten des General Social Survey, der verschiedene Fragen zum Rollenverständnis der Geschlechter enthält, konnten wir diese Frage zumindest auf Ebene der US-Bundesstaaten untersuchen. Wir fanden heraus, dass die Mehrheit der weiblichen Vorbilder in männerdominierten Rollen überraschenderweise nicht aus Staaten mit liberaleren Ansichten zu Geschlechterrollen stammte, sondern dass 53,5 Prozent dieser Vorbilder in Staaten mit eher konservativen Geschlechternormen geboren wurden. Dies deutet darauf hin, dass weibliche Vorbilder in männerdominierten Rollen nicht das Ergebnis eines Umfelds sind, in dem bereits liberale Geschlechternormen vorherrschen, sondern dass sie aktiv dazu beitragen, das geschlechtsspezifische Rollenverständnis der Gesellschaft zu verändern. Mit der Zeit könnte es also sein, dass Politikerinnen, Geschäftsfrauen und andere Frauen, die in bisher männerdominierten Rollen auf der ganzen Welt zu finden sind, zur neuen Normalität werden. 12|22 Forschung & Lehre K A R R I E R E - P R A X I S 969 Foto: mauritius-images L I T E R AT U R T I P P : Goldin (2014): A Grand Gender Convergence: Its Last Chapter. American Economic Review, Vol. 104, No. 4, pp. 1091-1119. Sonnert, Fox and Atkins (2007): Undergraduate Women in Science and Engineering: Effects of Faculty, Fields, and Institutions Over Time, Social Science Quarterly, Vol. 88, No. 5, pp. 1333-1356. Chhaochharia, Du, Niessen-Ruenzi (2022): Counter-stereotypical female role models and women’s occupational choices. Journal of Economic Behavior & Organization, Vol. 196, pp. 501-523.
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